Vergabestelle für Gelbe Karten für Apostrophenmissbrauch

Dass Sie auf dieses Dokument hingewiesen wurden, hat eine der folgenden Ursachen:

1. Sie bekommen die gelbe Karte!

Sie haben in Ihrem Medienoutput Mist gebaut und sind von unseren Medienwächtern erwischt worden.
In diesem Fall ist Ihr Vergehen in der Benachrichtigungsmail näher beschrieben.

2. Sie dürfen gelbe Karten zeigen!

Sie wurden von unseren Medienwächtern hierher verwiesen, um Ihnen Informationen zu bieten, die es Ihnen ermöglichen, ebenfalls Medienwächter zu werden, zur Diskussion anzuregen oder einfach darauf aufmerksam zu machen, dass es eine Diskussion gibt.





Es folgen kommentierende Stimmen, zunächst vom Verfasser dieser Seite:

Die Problematik

Ich habe in meiner Jugend viel gelesen und alles Gelesene unbewusst mit in meinen Sprachschatz aufgenommen. Erst sehr viel später merkte ich, dass ich dadurch jetzt über ein feines Gefühl verfüge, was unsere Sprache angeht und darüber, was richtig ist und falsch.

So war ich mit 14 zum Beispiel sehr verwirrt, als ich das erste Stephen-King-Taschenbuch unter die Augen bekam, denn es enthielt 8 Rechtschreibfehler. Bis dahin wurden Druckerzeugnisse von Profis herausgegeben, die von Lektoren unterstützt wurden, und ein Fehler war ein Skandal, Ausgaben wurden eingestampft deswegen.

In Zeiten von Copyshops mit Grossbildplottern und Output von Heimanwendern überrascht es nicht, dass Dinge nicht mehr so professionell klappen. Was Heimanwender angeht, halte ich es mit Max Goldt, der die falsche Tüttelchen-Schreiberei mit ein wenig Bildungs-Bourgeoisie-Schmunzeln als liebenswerte Kür bezeichnet und die Kritiker solcher „Untaten“ als pedantische Erbsenzähler (nicht hauen, das ist sinngemäß wiedergegeben, ich les das nochmal nach).

Aber Max Goldt ist lange aus der Schule und hat sein Sprachgefühl bereits erhalten.
Und der Rest der Profis sollte sich trotzdem professionell benehmen.

Im Lehralltag sehe ich mehr und mehr Schüler und Lehrer nicht mehr so recht klarkommen.
Bei uns gab es für einen Fehler eine 2 und für zwei Fehler eine 3 im Diktat.
Unlängst sah ich ein Diktat mit 26 Fehlern als gut bewertet, weil die Lehrer dem Kultusministerium gegenüber ja auch eine Lehrnachweisverpflichtung haben und nicht einfach 90 % durchfallen lassen können.

Klar, früher war eh alles besser, was regt sich der Kerl so auf wegen so einem Fliegenschiss, der soll froh sein, dass ich meine Kinder nicht mehr schlage, wenn sie sitzenbleiben, bla bla, nein, im Ernst, ich hätte mir nicht träumen lassen, mit 30 schon zu den alten leserbriefbreibenden Renitentner-Rentnern zu gehören.

Lustige Entwicklungen wie das Internet und ASCII-Standards, die uns bis eben kalt liessen und jetzt unsere Mails diktieren, weil wir zu unfähig sind, Vernünftiges vom Hersteller zu verlangen, und am Ende wachst du auf und hast nochmal völlig andere Zeichen auf der Tastatur, weil dein Computer angebissenes Obst als Logo hat (Wurm drin?), das macht die ganze Chose nicht einfacher.

Ich würde mich einfach freuen, wenn wir die anfänglichen Hürden des digitalen Zeitalters („ich weiss um alles in der Welt nicht, wo das Apostroph ist, warte, ich klopp einfach mal drauf, mal schauen, ach, das ist ja super, wenn man da so einen Akzent nimmt und dann noch ein Leerzeichen macht, dann kommt da was, das gibt es sogar in zwei Richtungen, gerad, wie man’s braucht, cool ...“ — geboren war die betonte Leere) irgendwann hinter uns lassen und irgendwann zu den Herren über diese Maschinen werden, die erfunden wurden, uns zu dienen (?).

Meiner Meinung nach haben alle professionellen Herausgeber, Werbetreibenden, Plakatwändevollschreiber, Fernsehwerbegestalter und Bildunterschriftentipper nach wie vor einen Bildungsauftrag.
Naja, sonst geben wir uns halt geschlagen und warten, ASCII rules, das mit dem Eszet ist eh gegessen und Umlaute sind eh redundant, wenn man sie nicht in Webadressen verwenden kann. Also weg damit.
Der Duden hat reagiert, die neue Rechtschreibung sagt, wer nicht weiss, wie der Apostroph geht, muss ihn nicht benutzen, es gibt eh viel zuviele Kellogg’s CornFlake’s Apostroph’s in Deutschland, da gibt’s unten noch ein paar lustige Links.

Und dass ich hier früher schon wegen der besseren Kompatibilität nur falsche Anführungszeichen (nämlich Zoll- oder Sekundenzeichen) und falsche Apostrophen (nämlich Minutenzeichen) benutzte, sei mir mit Hinweis auf ASCII-rules und beste Gesellschaft (hier, und hier) verziehen.
Dass ausgerechnet die es besser machen, dazu fällt mir gar nichts ein, liegt wohl am Content-Management-System von MSN, wie passend, die haben das ja auch verbockt mit der ASCII-Vorherrschaft.

Wer hierzu etwas schreiben möchte, ist herzlich willkommen, es landet hier auf der Seite!


Verwandte Themen:
apostroph |  agopunktion |  Apostroph Gruselgalerie |  Medientherapie